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Der iPädagoge

Ein Beitrag von Valentin Wild – Mittelstufenlehrer und iScout an der Heilpädagogischen Schule Mauren

Als Mittelstufenlehrer und iScout in spe arbeite ich an der Heilpädagogischen Schule in Mauren. Seit einigen Wochen haben wir ein iPad in der Klasse und von den ersten Gehversuchen und Erlebnissen möchte ich gerne kurz berichten.

Nutzen für SchülerInnen 

Das iPad wirkte auf die Kinder sofort wie ein starker Magnet. Alle wollen es brauchen und wenn wir das iPad im Unterricht benutzen, ist sofort Interesse vorhanden. Da einige Kinder zu Hause ein eigenes Tablet besitzen, wussten sie bereits viel über das Gerät, die Anwendung und dessen Nutzungsmöglichkeiten. Erstaunlich zum Beispiel auch, wie schnell die Kinder den Code zum Entsperren des iPads auswendig konnten. 

Zu Beginn brauchten wir das iPad vorwiegend zum Fotografieren und Recherchieren. In der Zwischenzeit bedienen die Kinder unterschiedliche Apps zum Zeichnen, Comics herstellen oder schauen Lernvideos auf YouTube. Dabei hilft es den Kindern, dass sie in Ihrem Tempo arbeiten können. 

Nutzen für Lehrperson

Mir als Lehrperson hilft das iPad ebenso. Die App «Chwazi» beispielsweise, wählt SchülerInnen nach dem Zufallsprinzip aus. So bin ich nicht mehr für den Unmut der Kinder bei negativen Entscheidungen verantwortlich. Die App setze ich vor allem bei Gruppeneinteilungen oder Wahlen ein. Eine weitere nützliche Funktion ist die Slow Motion Filmaufnahme. Im Sportunterricht kann ich den Kindern so detailliertere Rückmeldungen geben und sie sind begeistert, sich selbst zu beobachten. Natürlich könnte ich an dieser Stelle noch viele weitere Anwendungen aufzählen. 

Zusätzlicher Pädagoge 

Mein iPad nenne ich neuerdings «iPädagoge». Dies soll bedeuten, dass es mich unterstützt, assistiert und auch Teile meiner Aufgaben übernehmen kann. Es gibt den Kindern Rückmeldungen zu ihrem Lernstand und wiederholt Inhalte unendlich viele Male. Geduldig, klar und mobil. So entlastet es mich im Unterricht und bringt neue Möglichkeiten. Gerade im individualisierten Unterricht an der HPSM ist dies eine grosse Bereicherung. So können die Kinder einfache Rechenübungen am Tablet machen und bekommen sogleich eine Rückmeldung. Weiter brauche ich das Tablet zum Rechtschreiben im Word oder zum Comiczeichnen mithilfe von Vorlagen. Geschickt im Unterricht eingebettet, bietet es somit viele Vorteile und Entlastung. Zu meiner Freude kommt hinzu, dass ich das Potenzial noch nicht annähernd ausgeschöpft habe. Regelmässig kommen neue Einsatzmöglichkeiten dazu.  Wir stehen erst am Anfang und sammeln als zukünftige iScouts nun erste Erfahrungen mit den iPads, die wir dann an unser Kollegium weitergeben können.

Eigenständiger Pädagoge? 

Um die Aufgaben einer Lehrperson und ihrer Verantwortung gegenüber den SchülerInnen nicht zu schmälern, stellt sich für mich die Frage, ob das iPad auch ohne Lehrperson einen adäquaten Nutzen im Unterricht hat. Wenn wir den Aspekt ausklammern, dass jmd. das Gerät bedienen muss, um an die Inhalte zu gelangen, ist diese Frage für mich nicht abschliessend zu klären bzw. müsste viel detaillierter gestellt werden. Die Aufgaben einer Lehrperson übersteigen meiner Meinung nach bei weitem die Möglichkeiten des iPads. Diese Erkenntnis soll aber auf keinen Fall meine Begeisterung für den Einsatz des Geräts im Unterricht in Frage stellen. Ich sehe es als meinen kleinen Helfer. Als zweiten Pädagogen im Schulzimmer. Eben als iPädagogen.

Bilder: Valentin Wild

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