Menu Close

OneNote – Unterrichtspraxis ganz individuell

Im folgenden Blogbeitrag wird mein individualisiertes Lernprogramm, bestehend aus dem Lehrmittel FRESCH  sowie der medialen Umsetzung über OneNote, erklärt.

Schon in der Ausbildung ist mir immer wieder die grosse Heterogenität im Bereich des Schriftspracherwerbs aufgefallen. Wenn wir uns die Definition eines individualisierten Unterrichts von Hattie betrachten, scheint das in der Praxis eine echte Herkulesaufgabe zu sein.

Definition von Hattie eines individualisierten Unterrichts: Unterrichtsprogramm mit flexiblen Unterrichtsmethoden und Motivierungsstrategien, welche je nach einzigartigen Interessen und zurückliegenden Lernerfahrungen der Lernenden variieren, um den individuellen Bedürfnissen gerecht zu werden. (2013, S. 234ff)

Im Schriftspracherwerb einer Klasse im Zyklus 2 sind die Unterschiede sehr gross. Jedes Kind hat andere Lernerfahrungen gemacht und hat einen ganz individuellen Lernweg vor sich. Damit die Ansprüche an die mediale Umsetzung deutlich werden, muss ich im Vorfeld in aller Kürze die Freiburger Rechtschreibschule erklären. Eine ausführliche Erläuterung der Freiburger Rechtschreibschule steht am Ende dieses Beitrags zum Download zur Verfügung.

In der Freiburger Rechtschreibschule (FRESCH) müssen die Kinder neben bestimmten Regeln auch Merkwörter lernen. Hier wird Rechtschreibung von Grund auf sauber aufgebaut. Die Basis ist das lautgetreue Schreiben (schreiben wie man hört). FRESCH ist in Blöcke, sogenannte Lernfortschritte, aufgeteilt. Wenn ein Lernblock nicht «bestanden» wird, muss weiter geübt werden. Neben dem lautgetreuen Schreiben gibt es Merkwörterblöcke. Nachdem die Wörter geschrieben und gelernt wurden, sollen die gelernten Wörter in einem diktierten Text erkannt und richtig geschrieben werden. Die Fehleranalyse und der weitere Lernweg werden mit der Lehrperson besprochen.

Nach nun zwei Jahren FRESCH steht meine Klasse an einem komplett anderen Ort. Wie behält man hier den Überblick und wie funktioniert das mit dem Diktieren von unterschiedlichen Texten?

OneNote bietet hier eine gute Lösung an.

Im Grundsatz gibt es im OneNote drei Ebenen.

  • Auf der ersten Ebenen (Platz zur Zusammenarbeit) können die Kinder miteinander Inhalte erarbeiten. Sie können dabei auch Inhalte löschen.
  • Auf der Ebene der Inhaltsbibliothek können alle Schülerinnen und Schüler Inhalte der Lehrperson anschauen aber nicht bearbeiten. Das FRESCH-Programm findet sich auf dieser Ebene.
  • Die dritte Ebene, der persönlicher Bereich, ist bei jedem Kind individuell. Die Zugriffsrechte für diesen Bereich hat zusätzlich nur die Lehrperson. In der Vorbereitungsphase wird hier jedem Schüler/jeder Schülerin ein «Arbeitsplan» in PDF Format hochgeladen. Mit einem Tablet oder Notebook kann dieser digital ausgefüllt werden. Neben der digitalen Arbeitsadministration werden die Diktate immer noch auf Papier geschrieben und der Lehrperson abgegeben. Nach der Korrektur kann auch die Lehrperson auf der persönlichen Ebene den weiteren Lernweg anzeichnen und protokollieren.

Abschliessend möchte ich den Einsatz von OneNote nochmals anhand der Vor- und Nachteile evaluieren.

Vorteile:

  • sehr hoher Grad an Individualisierung möglich
  • OneNote kann auch in vielen anderen Unterrichtssituationen eingesetzt werden
  • Nach der aufwendigen Aufarbeitung des Inhalts, kann sich die Lehrperson auf die Schüler konzentrieren und auf individuelle Fragestellungen eingehen
  • Lernende können ausserhalb des Schulzimmers individuell lernen (via Browserzugang)
  • Die inhaltliche Aufarbeitung im OneNote ist einfach (Text, Audio, Video ect. möglich)
  • Kein aufwendiges Kopieren von Arbeitsblättern nötig
  • Neben OneNote kann auch eine Rückmeldung via Teams gegeben werden
  • Ich muss keine Arbeitspläne einsammeln. Ich kann den aktuellen Stand jederzeit auch ausserhalb der Schulzeiten einsehen.

Nachteile:

  • Es ist eine Office365 Lizenz der Schule nötig
  • Ein persönliches Tablet/Notebook ist vorteilhaft
  • Die Schule muss über eine gute Wlan Infrastruktur verfügen
  • Die persönlichen Geräte brauchen Support (iScout)

(Hattie, J., Beywl, W. & Zierer, K. (2013). Lernen sichtbar machen. Baltmannsweiler: Schneider-Verl. Hohengehren.)


Marc Buchmann, Lehrperson Zyklus 2, iScout Schule Kreuzlingen (Bernegg)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.